Von Linux zu Windows in Niedersachsen?

Ich habe mittlerweile die tägliche Dosis Empörung weit überschritten, weil ich mal wieder nicht begreife, warum man ein funktionierendes System, diesmal in Niedersachsen, einfach einmottet. Mit Mehrkosten kann man da, mit Blick auf die Lizenzkosten für Windows, eigentlich gar nicht argumentieren. Von Linux zu Windows oder zurück in die Vergangenheit!

Von Linux zu Windows in Niedersachsen

Aber eins nach dem anderen. Heise hat in mehreren Artikeln schon von der Abkehr von Linux, im Bundesland Niedersachsen, berichtet. So richtig herausgefunden hat aber bisher keiner, was an dem jetzigen System so falsch sein soll. Mutmaßlich ist es wohl ein Mehraufwand für die Betreiberfirma, die auch noch weitere Bundesländer und deren Windows Lösung betreut.

Dass eine gute und funktionale Lösung, wie sie in Niedersachsen, nach dem Umstieg von Solaris, bereitgestellt wurde aber so schnell wieder gekippt werden kann geht mir nicht in den Kopf. Hier wird sogar noch schneller und stiller gehandelt (statt verhandelt) als es in München der Fall war. Dort wurde ja zumindest das bestehende Limux erst einmal auf den Prüfstand gestellt.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das Vorgehen unverantwortlich finde. Unverantwortlich dem Steuerzahler gegenüber, sowie dem letztendlichen Benutzer und dem Wähler. Es wird mal wieder etwas durchgepeitscht, in eine total falsche Richtung. Warum „falsche Richtung“ werden sich jetzt vielleicht einige fragen, das beantworte ich aber liebend gerne.

Windows auf Behördencomputern

Windows, im Gegensatz zu Linux, ist ein proprietäres Betriebssystem, ein Betriebssystem also, welches nur von einer Firma (Microsoft) entwickelt wird und von dem es keinen frei zugänglichen Quellcode gibt. Öffentliche Gelder und Steuern sollten aber gerade freie und offene Projekte fördern, statt dichtgenagelte Betriebssysteme von Monopolisten unterstützen. Da empfehle ich übrigens die Kampagne Public Money, Public Code.

Da geht ja nicht gerade wenig Kohle jedes Jahr Richtung Redmond. Die Lizenzen mögen billiger sein als bei Endanwendern, dennoch sind es kostenpflichtige Lizenzen. Das könnte man besser in die Entwicklung von eigenen Lösungen stecken. Auch weil damit Abhängigkeiten endlich mal aufgelöst werden.

Die EU hat Google / Alphabet gerade mit einer Strafzahlung belegt, weil es unfairerweise sein Smartphone Betriebssystem Android mit eigenen Apps ausliefert. Auch wird periodisch in Deutschland und der EU gemosert, Google missbrauche seine Vormachtstellung im Bereich Suche im Internet, was zweifelsohne zumindest der Diskussion wert wäre. Bei Microsoft ist scheinbar aber alles knorke und man muss ja alles von MS benutzen, damits zum Schluß auch gut funktioniert. Super Idee!

Lobby, Lobby, Lobby

Also Googles Lobbyarbeit kann sich da sicher noch eine Scheibe von Microsofts Lobbyisten abschneiden. Die kommen nämlich mit allem durch wie mir scheint. Was mich aber zu dem Punkt führt, dass man entweder die Lobbyarbeit in den Landeshauptstädten, Berlin und Brüssel entweder stärker reguliert oder eine starke FOSS Lobby formiert. Die darf dann gern aus den Firmen rund um Linux bestehen plus etwaigen Unterstützern, Vereinen, Stammtischen und was weiß ich nicht noch alles. Da könnte man auch mal einen Topf für Marketing und Entwicklung bereitstellen.

Auch wäre wünschenswert, wenn es einfach mal eine zentrale Lösung für Behörden gäbe, die eben nicht von jeder Gießkanne in Eigenregie entwickelt wird, sondern modular und für Städte und Kommunen in Deutschland und dem Rest der EU. Damit man auf absehbare Zeit mal langsam loskommt von den Größen aus dem Silicon Valley und Redmond.

Ich verlinke auch mal direkt eine sehr gute Doku zu dem Thema.