Die Vorteile und die Nachteile von Linux

Linux, was ist das?

Wir befinden uns gerade in einem Umbruch. Windows, der aktuell unumstrittene Marktführer im Bereich der Betriebssysteme bekommt Konkurrenz. Es ist nicht Apple, das zwar stetig mehr Geräte mit OSX ausliefert, sondern Linux in Form von Chromebooks und Androidgeräten von Google, Ubuntu-geräte (Laptops, Desktops und Smartphones). Das nehme ich natürlich gern zum Anlass um auch auf Vor- und Nachteile von Linux einzugehen.

Vielleicht zuallererst eine kurze Begriffserklärung. Linux ist kein Betriebsystem wie Microsoft Windows oder Apple MacOS / OSX. Linux ist nur ein Kernel, also der zentrale Bestandteil eines Betriebssystems. Darum werden aber Betriebssysteme gebaut. Das heißt, es kommen Bootloader, grafische Oberflächen, Paketsysteme und Anwenderprogramme (Office, Browser, etc.) dazu. Betriebssysteme mit einem Linux Kernel werden Distributionen genannt. Die bekanntesten sind Ubuntu, Debian, Linux Mint, Fedora, OpenSuse, und Arch. Welche ich jetzt vergessen und/oder nicht aufgezählt haben sollte, einfach im Geiste dazudenken. Es gibt mittlerweile so viele Distributionen, dass man gar nicht hinterherkommt.

OpenSuse als Linux Distribution
Open Suse Leap 15 mit KDE Desktop – Von Funkruf / SUSE LLC – Screenshot von Funkruf-PC, GPL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=69469412

Vorteile von Linux

Linux hat natürlich auch eine Reihe von Vorteilen, weswegen auch immer beliebter wird auf den Pinguin (das Maskottchen von Linux) zu setzen. Angefangen bei der Flexibilität: Linux läuft nicht nur auf Routern, Smartphones und Computern sondern auch auf so gut wie allen Superrechnern, Servern und Versorgungssystemen weltweit. Microsoft ist nur Marktführer bei den Personal Computern, sprich den Heimrechnern. Alles andere wird eigentlich von Linux und allenfalls BSD, dem Bruder von Linux dominiert. Auch Android ist ein linuxbasiertes System. Seine Apps laufen zwar auf Basis von Java, dennoch werkelt im inneren der bekannte Kernel.

Was auch für Linux spricht, ist die stete Weiterentwicklung. Alle 6 Wochen kommt eine neue Version heraus, bei der Geschwindigkeit, Stabilität oder neuere Technologien verbessert werden. Auch deswegen unterstützt der Kernel so gut wie alles, was sich digital betreiben lässt. Maßgeblich verantwortlich ist die Linuxfoundation rund um Linus Torvalds, dem finnischen Gründer und mittlerweile Wahlamerikaner. Er pflegt die Patches ein, die ihm zahllose Entwickler, aus Firmen oder privat, zuschicken. Mitglied der Linuxfoundation sind mittlerweile viele Firmen, die auf der Basis des Kernels ihre Produkte erstellen.

Auch wenn oft an Neuerungen gebastelt wird, vernachlässigt Linux natürlich nicht diejenigen Geräte, die eigentlich schon zu alt sind für andere Betriebssysteme. Wer also von Windows XP oder MacOS 10.4 kommt, wird sicher eine Distribution finden, die auch auf seinem Computer oder Laptop noch funktioniert.

Auch wird der Computer wieder schneller mit Linux. Dabei kommt es zwar verstärkt auf die gewählte Distribution an, aber generell lässt sich auch aus vielen alten Geräten noch einiges rausholen.

Zwischen Linuxdistributionen lässt es sich auch wunderbar hin und her wechseln. Teilweise ändert sich dabei nicht mal die Optik. Das liegt an dem modularen Aufbau von Distributionen. Grafische Oberflächen wie Gnome, KDE, XFCE, Budgie und Co. werden vollkommen unabhängig entwickelt. Auch Officesuiten wie Libre Office und andere Anwendersoftware sind komplett unabhängig. Man kann sich Linuxbetriebssysteme also wie eine Art Baukasten vorstellen, bei dem der Distributor, die eigene Distribution aus verschiedenen Projekten einfach zusammenstellen kann.

Deswegen fällt auch der Umstieg zwischen diesen Distributionen besonders leicht. Gefällt mir die Richtung nicht mehr, in die eine Distribution wie zum Beispiel Ubuntu geht, steige ich einfach auf Debian um und das ohne den Workflow ändern zu müssen. Teilweise kann ich fast alle Befehle weiter nutzen, die ich auch unter Ubuntu benutzt habe.

Weiterhin ist auch die Sicherheit immer Thema bei Linux. Deswegen ist man mit Linux eigentlich immer gut beraten, wenn man sich um seine eigene Sicherheit Gedanken macht. Das ist aber kein Freifahrtschein! Es gibt zwar wenig Malware wie Viren und Trojaner, aber wenn ich es drauf anlege, kann ich mit Linux auch meine eigene Datensicherheit gefährden!

Ein weiterer elementarer Punkt, ist die Quelloffenheit. Linux ist Open Source, das heißt, ich kann die Quellen, also die Codezeilen, aus denen Linux kompiliert wird, einsehen. Ich muss es nicht, ich muss es auch nicht können aber ich kann es, wenn ich will! Lieber haben als brauchen! Zudem kann ich jederzeit meinen eigenen Klon erstellen, in dem ich einen parallelen Zweig von Linux pflege. Die Lizenz verlangt einzig, dass wenn ich Änderung vornehme, die positiv sind, ich sie auch dem Ursprungsprojekt zur Verfügung stellen muss. Ein fairer Deal.

Debian als Beispiel Linux Distribution
Debian 9 Stretch mit Mate Desktop – Von Debian Project – Eigenes Werk, GPL, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=60437485

Nachteile von Linux

Gibts nicht. Ende.

Ist natürlich nur Spaß. Es gibt natürlich, wie überall, auch downsides. Zum Beispiel läuft nicht jedes Gerät perfekt mit Linux. Das ist in den letzten Jahren schon wesentlich besser geworden, aber ab und zu treffe ich schon noch auf WLAN-Sticks oder Drucker, die auf Biegen und Brechen einfach nicht mit Linuxdistributionen wollen. Deshalb mein Rat: Gern vorher eine Linuxdistribution wie Ubuntu einfach mal von einem Stick booten (Ja, das geht. Das hab ich als Vorteil ganz vergessen). Dann sieht man recht schnell ob und wie der eigene Rechner damit zurecht kommt.

Auch nicht jedes Programm will mit Linux spielen. Das ist aber nicht wirklich ein Nachteil von den Distributionen selbst, sondern liegt oftmals an den unwilligen Anbietern der Programme. Bestes Beispiel ist für mich als Anbieter von Grafikdesign die Adobe Suite. Diese gibt es bis dato nicht für Linux und wird wohl auch nicht mehr kommen. Adobe reizt der Marktanteil einfach nicht. Davon aber bitte nicht entmutigen lassen. Es gibt oftmals wertige Alternativen im Bereich Open Source oder generell FOSS.

Anforderungen an den Benutzer von Linux

Kann ich unter Linux genauso weiterarbeiten wie mit Windows oder MacOS? Ganz klares Nein! Wer nicht flexibel ist, sollte bei dem bleiben, was er aktuell benutzt. Das macht alles für uns Linuxhilfen etwas einfacher. Wer guten Mutes ist, etwas Neues auszuprobieren und auch mal an ein paar Sachen im Terminal erledigen will, der ist natürlich willkommen.

Muss ich unter Linux alles im Terminal machen? Nö, das muss man nicht. Ich habe teilweise Kunden, die seit Jahren mit Ubuntu arbeiten und auch ohne Terminal klarkommen. Selbst Programme installieren ist dank App Store kein Problem mehr. Dennoch sollte man zumindest Lust haben, auch mal bisschen im Terminal rumzuhacken. Es macht nicht nur Spaß, es geht auch noch schneller als viele Sachen, die man mit der Maus erledigen muss. Auch lassen sich so leicht Probleme identifizieren und beheben. Also nur Mut und einfach mal probieren.

Linuxdokumentation

Meine Geschichte mit Linuxdistributionen

Mittlerweile bin ich auch schon etwas länger bei Linux. Ich habs selber mal probiert, als ich kein Windows XP zur Hand hatte und schnell eine CD im Bahnhof gekauft hab. Das war anno 2005 oder 2006 und ich hatte überhaupt keine Ahnung. Mir gefiel Ubuntu auch nicht soo gut, obwohl ich mir im Nachgang echt am Kopf kratze, und mich frage, was mich damals geritten hat, dann doch wieder Windows XP zu installieren.

Mich hat Ubuntu aber nie so ganz losgelassen und nach mehreren Versuchen, bin ich dann final 2012, kurz vor meinem ersten Studium im Bereich Medieninformatik, umgestiegen und habe es nie bereut. Eher bereue ich, dass ich nicht schon früher dabei geblieben bin. Ausschlag gegeben hat übrigens die Beta von Windows 8, welches ja wirklich ziemlich krüpplig daher kam. Was sollte das Microsoft? Kacheln? Hab ich ein Tablet oder was?

Meine erste Distribution war Ubuntu, von der ich dann, in einem Anfall von „Ich muss Rolling Release haben“, auf Arch umgestiegen bin. Ich bin dann eben von meinem geliebten Unity Desktop auf Gnome umgestiegen und bin im Nachhinein ziemlich zufrieden mit der Entscheidung. Auch wenn ich mittlerweile Fedora benutze, ist Gnome doch geblieben und gefällt mir weiterhin am besten, unter den Linuxdesktops.

Das war so grob meine Erfahrung mit Linux und ich empfehle euch: Nutzt es! Lasst euch nicht von Firmen diktieren wie euer Desktop auszusehen oder zu funktionieren hat! Anschließend gern nochmal ein Screenshot meines aktuellen Desktop auf Fedora mit Gnome.

Fedora mit Gnome als Linux Desktop
Mein aktueller Desktop mit Fedora 28 und Gnome 3.28

PS: Finger weg von Kali Linux und anderen Zwecktentfremdeten Distributionen liebe Kinder (und Erwachsenen) :D Kali ist keine Desktop Distribution!