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Der richtige Desktop

Desktop Dämmerung in der Linuxwelt

Um es gleich vorweg zu sagen, ‚den‘ richtigen Desktop gibts natürlich nicht. Es gibt aber ‚den‘ richtigen Desktop für ‚den‘ Nutzer oder ‚den‘ Computer. Ich beziehe mich zudem in dem Artikel ausschließlich auf Desktops für Linux, da es unter Windows und MacOS keine Auswahl an Desktops gibt, und das auch ein ziemlich lamer Fakt ist.

Unity ist tot lang lebe Unity! Wie einige von euch vielleicht gelesen haben, wird der Unity Desktop von Canonical nicht mehr weiterentwickelt und auch nicht mehr als Standard-Desktop für Ubuntu vorinstalliert. Ab Version 18.04 von Ubuntu Linux, ist Gnome wieder der Standard-Desktop sein. Damit kehrte Ubuntu zu seinen Wurzeln zurück. Keine Sorge, Unity kann weiterhin noch installiert und genutzt werden. Auch entwickeln freie Entwickler der Gruppe Yunit an Unity8 weiter.

Die Ankündigung seitens Canonical löste ein mittelschweres Beben in der FOSS-Community aus. War doch Unity teilweise lange Zeit Stein des Anstoßes und förderte das Aufkommen neuer Desktops wie Mate oder Cinnamon. Ich liste im Folgenden ein paar Desktops auf, die ihr auch weiterhin ruhigen Gewissens nutzen könnt.

Desktops, Desktops und noch mehr Desktops…

  • Gnome – Der Desktop meiner Wahl und einer der ältesten. Mittlerweile ist Version 3.28 draussen und insgesamt ist Version 3.xx erwachsen geworden. Zusammen mit KDE und Unity verbraucht diese Desktop Environment am meisten Ressourcen, bringt aber auch viel eye candy mit und bietet sogar Support für Erweiterungen. Gnome bietet, relativ ähnlich wie Unity, eine Suchzeile relativ zentral, um Programme, Dateien oder Ordner suchen zu können. Gnome ist, wie oben erwähnt, ab Ubuntu 18.04 wieder Standard bei Ubuntu. Somit werden Ubuntu, Debian, Fedora, Antergos und einige weitere Distributionen damit ausgeliefert.
    • Auch ein ziemlich bekannter Fakt: Gnome frisst ganz schön Ressourcen. Aber hey, wir haben doch genug davon?! Mein XPS 13 aus 2013 läuft unter Fedora mit Gnome noch wunderbar damit. Acht Gigabyte Arbeitsspeicher und ein i7 reichen dabei dicke. Auf schwächerer Hardware ist Gnome aber oftmals nicht das wahre. Das gebe ich gern zu. Dann doch lieber XFCE oder LXDE.
  • KDE – Der Desktop der vor allem gern Windows-Umsteigern empfohlen wird. KDE ehemals K[ools] Desktop Environment wird von Version zu Version schicker. Im  Vergleich mit eher ‚warmen‘ und ’natürlichen‘ Desktopumgebungen wie Gnome und Unity ist KDE eher kalt und eckig. Es wirkt etwas futuristischer, oft aber auch einfach noch nicht kongruent. Dies änderte sich mit dem Erscheinen von Plasma 5. Vieles scheint hier sehr durchdacht und vor allem stimmig. Auch gab es zeitweise eine Mobilversion auf Ubuntu Touch aufbauend. KDE ist der Desktop von Kaos und Kubuntu. Auch gibt es bei vielen Distributionen die Möglichkeit KDE zu installieren, OpenSuse, Antergos oder Manjaro zum Beispiel. Für ganz mutige gibt es die Distribution KDE Neon. Das ist so eine Art Haus-Distribution und vergleichbar mit dem Verhältnis von Fedora und Gnome.
  • XFCE – Ein eher konservativer Desktop für ältere Geräte. Hätte ich keinen Dell Sputnik sondern nur einen alten Laptop oder ein Chromebook, wäre sicher XFCE der Desktop meiner Wahl. Obwohl hier an viel eye candy gespart wird, wirkt XFCE keineswegs langweilig. XFCE ist ein schlanker, schicker und solider Desktop für Geräte, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben. Nicht ganz so progressiv in der Entwicklung aber trotzdem recht aktuell. Was mich an XFCE eigentlich immer etwas störte, sind die teilweise zusammengewürfelten Icons. Gerade die Energieeinstellungen oder das WLAN Symbol. Da man XFCE aber pimpen kann, ist das nicht weiter tragisch.
  • Budgie –  Die eigens auf Basis von Gnome entwickelte Oberfläche Budgie kommt vornehmlich in Solus zum Einsatz. Ich verfolge die Entwicklung von Solus und Budgie schon etwas länger und bin begeistert wie schick und performant beides ist. Wer Budgie testen will kann den Desktop unter Arch und Ubuntu installieren oder am besten direkt zu Solus greifen.
    • Mir berichten vorallem Solus-Nutzer aus meinem direkten Umfeld, dass Solus und Budgie schneller sein sollen. Gerade weil Budgie ziemlich lean und clean daherkommt.
  • Cinnamon und Mate – Beide Desktops verfolgen einen ähnlichen Ansatz und doch gehen beide verschiedene Wege. Cinnamon basiert auf GTK3 und Mate auf dem älteren GTK2. Beide versuchen aber die Brücke zu schlagen zwischen dem progressiven Gnome 3 und althergebrachten Nutzungsparadigmen. Cinnamon lässt sich super in Verbindung mit Linux Mint nutzen und Mate befeuert sogar einen Ubuntu Flavor [Ubuntu Mate]. Unterschiede gibt es aber im Ressourcenverbrauch. Da Cinnamon von Gnome 3 abstammt, benötigt es mehr Ressourcen als Mate. Somit ist es ratsam für ältere Geräte auf Mate zurückzugreifen.
  • Openbox und Enlightment – Habt ihr für obig genannte Desktops nicht genug Ressourcen? Wenn ja: Was für eine alte Schleuder ist das denn? :D Dann lohnt es sich vielleicht diese beiden näher anzuschauen. Enlightment ist dabei ein Desktop, der einen ultraschlanken Ansatz verfolgt. Openbox hingegen ist streng genommen nur ein Fenstermanager. Dort werden also keine Programme direkt mitgeliefert, sondern diese müssen danach noch installiert werden. Bei Openbox fehlen auch Leisten und Sartmenüs. Es gibt faktisch nur ein Menü, welches sich via Rechtsklick auf den Desktop öffnen lässt. Dort finden sich installierte Programme wieder.

Hab ich einen wichtigen Desktop vergessen?! Wahrscheinlich schon, trotzdem soll es das erstmal sein. Diese Übersicht hilft euch vielleicht bei der Auswahl eures nächsten Desktops. Wenn ihr Ideen oder Fragen für einen nächsten Blogpost habt, dann schreibt das gern in den Kommentaren unter den Post auf meiner Facebook Likepage!